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Folge 1: Aus Trümmern

Wie aus Kohle und Stahl die EU wurde

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1945. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei. Weltweit sind mehr als 60 Millionen Menschen tot, Europas Städte liegen in Trümmern. Für Deutschland und Frankreich war es schon der dritte Krieg gegeneinander. Wie verhindert man, dass das wieder passiert?

Die Antwort kommt am 9. Mai 1950. Frankreichs Außenminister Robert Schuman schlägt vor: Frankreich und Deutschland legen ihre Kohle und ihren Stahl zusammen. Warum ausgerechnet das? Daraus baute man damals Panzer, Kanonen und Kriegsschiffe. Wacht eine gemeinsame Behörde darüber, kann niemand heimlich aufrüsten. Krieg soll so „nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich“ werden.

1951 gründen sechs Länder die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, kurz: Montanunion. Jetzt aufpassen: Die Montanunion hat vier Bausteine. Eine Hohe Behörde, unabhängig von den Regierungen. Daraus wird die Europäische Kommission. Einen Rat für die Minister der Länder: der heutige Rat der EU. Eine Versammlung aus Abgeordneten der nationalen Parlamente. Daraus wird das Europäische Parlament. Und einen Gerichtshof, der über die Regeln wacht. Keiner bestimmt allein. Nach diesem Bauplan funktioniert die EU bis heute.

Nicht alles klappt: Eine gemeinsame europäische Armee scheitert. Also setzen die Sechs auf die Wirtschaft. 1957 unterschreiben sie die Römischen Verträge, es entsteht die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft. Das Ziel: ein gemeinsamer Markt, Waren ohne Zölle über die Grenzen.

Die Versammlung nennt sich inzwischen Europäisches Parlament. Und 1979 kommt ihr großer Moment: Zum ersten Mal wählen die Menschen ihre Europaabgeordneten selbst.

Aus sechs Ländern werden neun, dann zwölf. Ab 1993 heißt das Ganze Europäische Union. Dann werden es fünfzehn, und 2004 kommen auf einen Schlag zehn dazu, die meisten aus dem früheren Ostblock. Später noch drei, und 2020 geht Großbritannien. Seit 2009 ist das Parlament bei den meisten Gesetzen gleichberechtigt mit dem Rat. Und die Gipfel der Staats- und Regierungschefs werden ein eigenes Organ: der Europäische Rat.

Heute: 27 Länder, rund 450 Millionen Menschen, 720 gewählte Abgeordnete. Angefangen hat alles mit Kohle, Stahl und einer einfachen Idee: Wer zusammenarbeitet, schießt nicht aufeinander. Rat der EU, Europäischer Rat, Europarat: Nur zwei davon gehören zur EU. Welche? Das klären wir in Folge 2.

Folge 2: Wer entscheidet was?

Parlament, Kommission und die zwei Räte

Rat der EU, Europäischer Rat, Europarat. Drei Räte, fast derselbe Name. Selbst Erwachsene bringen sie ständig durcheinander.

Und jetzt: nachschauen, wer wie abstimmt.

Im Europaparlament wird fast jede wichtige Abstimmung namentlich festgehalten. Auf openrcv.eu siehst du, wie deine Abgeordneten gestimmt haben.

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