Folge 4: Die Kommission
Wer sie aussucht, was sie darf und wer sie kontrolliert
Zum Mitlesen
Tipp auf einen Satz, um dorthin zu springen.
Ursula von der Leyen stand bei keiner Europawahl auf dem Wahlzettel. Trotzdem ist sie seit 2019 Chefin der Europäischen Kommission. Wie geht das?
So läuft es: Nach jeder Europawahl schlagen die Staats- und Regierungschefs im Europäischen Rat jemanden vor. Dabei sollen sie das Wahlergebnis berücksichtigen. Dann stimmt das Parlament ab. Nötig ist die Mehrheit aller Abgeordneten, also 361 Stimmen. 2024 bekam von der Leyen 401.
Dann kommt das Team dazu: Jedes Land schlägt eine Person vor, die Präsidentin verteilt die Aufgaben: Klima, Handel, Wettbewerb und so weiter. Vorher müssen alle ins Parlament, zu einer öffentlichen Anhörung, drei Stunden lang. Eine Art Bewerbungsgespräch. Und das Parlament lässt dort auch Leute durchfallen, 2019 gleich drei. Am Ende stimmt das Parlament über die ganze Mannschaft ab. Erst dann geht es los.
Ihre wichtigste Aufgabe: Die Kommission schlägt fast alle EU-Gesetze vor. Das nennt man Initiativrecht. Die Ideen dafür kommen von überall: aus dem Parlament, von den Regierungen, von Unternehmen, Verbänden und von Bürgerinnen und Bürgern. Aber den Vorschlag schreibt die Kommission.
Zweitens passt die Kommission auf, dass sich alle Länder an EU-Recht halten. Tut eins das nicht, schreibt sie erst einen Brief, dann einen strengeren. Und wenn das nichts hilft, bringt sie das Land vor den Europäischen Gerichtshof. Deshalb nennt man sie auch die Hüterin der Verträge.
Die Kommission legt sich auch mit Weltkonzernen an. Wer seine Marktmacht ausnutzt, muss zahlen. Google zum Beispiel: 2,4 Milliarden Euro Strafe, weil es bei der Suche den eigenen Preisvergleich bevorzugt hat. Der Gerichtshof hat das 2024 bestätigt.
Und wer passt auf die Kommission auf? Das Parlament. Es kann Fragen stellen, Berichte verlangen und die ganze Kommission mit einer Zweidrittelmehrheit sogar absetzen. Geschafft hat es das noch nie. Aber 1999 ist eine Kommission zurückgetreten, bevor es so weit kam.
Merke: Die Kommission schlägt vor und passt auf. Entscheiden müssen andere, nämlich das Parlament und der Rat.
Und da wird es wieder knifflig, denn Räte gibt es ja gleich mehrere. Welcher macht was, und wie stimmen 27 Länder überhaupt ab? Das klären wir in Folge fünf.
Folge 5: Die Räte
Und wie 27 Länder abstimmen
Einer der drei Räte gehört gar nicht zur EU. Bleiben zwei. Und wie einigen sich 27 Länder, ohne bis in alle Ewigkeit zu streiten?



Alle zehn Folgen
Und jetzt: nachschauen, wer wie abstimmt.
Im Europaparlament wird fast jede wichtige Abstimmung namentlich festgehalten. Auf openrcv.eu siehst du, wie deine Abgeordneten gestimmt haben.
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